Artikel: „Superkrüppel“ und „Opfer“

Erschienen in: uni:press #691

Die Verantwortung der Medien ist immens, tragen sie doch zum kollektiven Gedächtnis unserer Gesellschaft bei. Trotzdem reproduzieren einige von ihnen völlig unreflektiert Stereotype und tragen so zur Exklusion von Menschen mit Behinderung bei. Der politische Grundgedanke „Nichts über uns – ohne uns“ wird weitestgehend nicht berücksichtigt. Auch die Aktion „Licht ins Dunkel“ steht alle Jahre wieder in der Kritik.

Mit „Glücklich sein für eine ganze Woche“ betitelte der frischgebackene Chefredakteur der Bezirksblätter Salzburg seinen Bericht über das Feriencamp des Malteserordens. „Fröhlichkeit trotz Handycap [sic!]. Die positive Lebenseinstellung der Behinderten war beeindruckend“, liest man unter einem der Fotos. Damit wurde ein Paradebeispiel für die stereotype Berichterstattung über Menschen mit Behinderung geschaffen, denen in den Medien oft nur die Rollen von „Opfern“ oder „Helden“ zugestanden werden. Der Titel suggeriert, dass Menschen mit Behinderung im Alltagsleben keine glücklichen Momente erleben – und zwar aufgrund ihrer Behinderung. Eine differenzierte Betrachtung, wonach Menschen mit Behinderung nicht grundsätzlich leiden, sucht man vergeblich.

Deutlich wird auch noch ein weiteres Phänomen der Darstellung, dass Menschen mit Behinderung vor allem im emotionalen Kontext inszeniert. So bringt auch der Chefredakteur der Bezirksblätter Salzburg in seinem Bericht Mitleid und Bewunderung zum Ausdruck. Betrachtet man die sprachliche Ebene, ist zum einen der veraltete und mittlerweile als diskriminierend geltende Begriff des Handicaps auffindbar, zum anderen der Ausdruck der „Behinderten“, der Menschen auf ihre Behinderung reduziert und sie einer homogenen Gruppe der „Anderen“ zuordnet.

Den gesamten Artikel können Sie hier lesen: „Superkrüppel“ und „Opfer“

Oder in der Printausgabe.

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